Aktuelle Ausschüsse und Arbeitsgruppen der Sektion ArchitektInnen

Der Kammervorstand und die Sektionsvorstände können zur politischen Willensbildung Ausschüsse, Arbeitsgruppen und Arbeitskreise einsetzen. Sie sind als beratende Gremien konzipiert, denen keine selbständige politische Kompetenz zufällt. Ihnen obliegt vor allem die inhaltliche Arbeit und Vorbereitung der Beschlüsse des Kammervorstands bzw. der Sektionsvorstände. 

Folgender Ausschuss ist in der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Wien, Niederösterreich und Burgenland tätig.

Architekt DI Christoph Mayrhofer

Sektion ArchitektInnen

Christoph Mayrhofer, Sektionsvorsitzender der ArchitektInnen:

„Als Architektinnen und Architekten sind wir die Einzigen, die auf dem Gebiet des Städtebaus und der Architektur ausgebildet und befugt sind.“

Architektur ist ein eigenartiges Phänomen. Noch nie habe ich jemanden sagen gehört, Architektur sei Scheiße, interessiere nicht und störe ohnehin nur. In der täglichen Praxis allerdings verhalten sich, wie wir wissen, viele genau so.

Damit Architektur entstehen kann, braucht es die Bereitschaft zum Risiko, das Gewährenlassen von Unbekanntem, das Verlassen sicherer Bahnen. Das erklärt den Zustand der Architektur in einer risikoscheuen Gesellschaft, die Unbekanntes hasst und in der Absicherung die neue Religion ist.

Mein Anliegen ist es, uns der Bedingungen unserer Arbeitswelt bewusster zu werden. Bedingungen, unter denen gute Architektur entstehen kann, gibt es nicht umsonst, sie müssen geschaffen werden. Wir müssen uns bewusst sein, dass niemand dies tun wird, wenn nicht wir selbst. Es muss uns klar sein, dass alles, was wir nicht selbst in die Hand nehmen, nicht geschehen wird oder, noch schlimmer, von anderen in deren Sinn geregelt wird.

Die Bereitschaft, unsere Angelegenheiten stärker wahrzunehmen, sollte mit dem Selbstbewusstsein einhergehen, die Kompetenz zur Durchsetzung zu besitzen. Das Vertrauen in die Fähigkeiten von Menschen, ihre Umwelt aufgrund erworbener Kompetenzen eigenverantwortlich entwickeln zu können, verschwindet zusehends und wird abgelöst von der Vorstellung der umfassenden Regelung und Kontrolle sämtlicher Lebensbereiche. Das betrifft uns als Planer und Gestalter ganz besonders.

Die Tendenz geht dahin, alles und jedes bis in kleinste Detail vorschreiben, verordnen oder normieren zu wollen, in der Meinung, wenn möglichst alles rechtsverbindlich geregelt sei, ergebe das auch schon ein gutes Resultat. Gerade Architekten wissen, wie falsch diese Vorstellung ist.

Je weniger Vorstellungen unsere Gesellschaft von ihren Zielen hat, desto genauer legt sie fest, wie der Weg aussehen soll.

Dass in dem überschießenden Wust von Reglementierungen und der Evaluierung der Reglementierungen die traditionell kleinteilig strukturierte Organisation unseres Berufsstandes und das generalistische Architektenbild besonders unter Druck geraten, muss uns bewusst sein. Und niemand sollte glauben, dass dies und der damit verbundene Weg hin zu großen Planungsbüros nach angloamerikanischem Vorbild rein zufällig passiert.

Wir werden in der Öffentlichkeit verstärkt aufklären müssen, dass all die architektonischen Leistungen, die wir und die Welt in diesem Land so bewundern, gerade durch eine kleinteilig organisierte Arbeitsweise der Kreativen bedingt waren, in der Architekten aufgrund ihres Könnens und ihrer Kompetenz das Vertrauen eingeräumt wurde, eigenverantwortlich die besten Lösungen für die Probleme des Städtebaus und der Architektur zu entwickeln.

Wenn Wettbewerb, wie das in der EU heute leider der Fall ist, praktisch ausschließlich als Preiswettbewerb verstanden wird, ist das für diejenigen, die geistige Leistungen erbringen, naturgemäß ein veritables Problem.

Ich gebe dem Kampf für ein Umdenken, für eine stärkere Besinnung auf Qualität und Kompetenz auch aufgrund des zunehmenden Unbehagens gegen verordnete Beglückung von oben durchaus gute Aussichten.

Als Architekten und Architektinnen sind wir die Einzigen, die auf dem Gebiet des Städtebaus und der Architektur ausgebildet und befugt sind. Das müssen wir wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein rücken. Und wenn ich sage wir, dann meine ich jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns. Die Berufsvertretung ist dabei unser Selbstverwaltungsorgan, womit bereits ausgedrückt ist, dass nur wir selbst durch unser Tun ihre Stärke bestimmen. Und die wird genau in dem Maß vorhanden sein, in dem das Engagement jedes einzelnen Mitglieds dafür vorhanden ist.

Was leistet die Architektur für die Gesellschaft?

Architektur

  • schafft Identität und Raum für jeden,
  • gestaltet die Umwelt und ist sozial wirksam,
  • ist Ausdruck unserer Zeit, Gesellschaft und Kultur,
  • formt die Zukunft für unser Zusammenleben,
  • rechnet sich. 

Wie soll die Gesellschaft Architektinnen und Architekten wahrnehmen?

  • Wir sind unabhängige Expert(inn)en und agieren interdisziplinär,
  • wir sind kompetente, verantwortungsvolle Partner(innen) – für alle Bauaufgaben,
  • wir sind für den Auftraggeber unverzichtbare solidarische Berater(innen),
  • als visionäre Planer(innen) zeigen wir innovative Wege auf.