Von links: DI Werner Schuster MBA (MD-BD, Leiter der Gruppe Hochbau); DI Andreas Meinhold (MD-BD); DI Peter Bauer; Arch. DI Bernhard Sommer; Arch. DI Christoph Mayrhofer; DI Franz Kobermaier, MA 19

 

Schulumbauten und Schulerweiterungsbauten

In Zukunft faire Wettbewerbsverfahren und Sicherstellung qualitätsvoller Baukultur.

Am Montag, 6. Juni 2016, 16 Uhr fand in der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland die gemeinsam mit der und Baudirektion der Stadt Wien veranstaltete Pressekonferenz zum Thema "Schulumbauten und Schulerweiterungsbauten" statt.

Wir freuen uns, dass es durch gemeinsame Bemühungen der Stadt Wien und der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland gelungen ist, einen großen Erfolg für Baukultur und Fairness zu erreichen.

Die Stadt Wien steht unter einem enormen Zeitdruck. Wie DI Franz Kobermaier von der MA 19 erklärt, "ist der Zeitdruck vor allem dadurch gegeben, dass die Stadt rasch wächst. Bis zum Jahr 2025 werden in Wien rund 9.600 bis 11.200 Volksschulkinder zusätzlich einen Schulplatz benötigen. Auch in der Altersgruppe der 10- bis 13-Jährigen wird ein Zuwachs in ähnlicher Dimension erwartet. Das entspricht rund 50 Volksschulklassen und 25 Klassen in Neuen Mittelschulen, die jährlich errichtet werden müssen, um die Ausbildungsqualität sicherzustellen."

Und, so DI Franz Kobermaier weiter: "Wir haben in den vergangenen Jahren schon mehrere Projekte fertig gestellt und so den größten Druck bewältigen können. Derzeit wird aufgrund der Bevölkerungsprognosen seitens der Stadt Wien der künftige Bedarf ermittelt. Wir rechnen mit zahlreichen weiteren Projekten in den kommenden Jahren, können aber derzeit keine genauen Zahlen nennen."

Es gibt derzeit Prognosen und Ausarbeitungen über die zu erwartenden Bevölkerungsentwicklungen bis zum Jahr 2035. Im Wesentlichen werden die Stadtentwicklungsgebiete für die größeren Campusstandorte herangezogen. Die laufende Nachverdichtung in den innerstädtischen Wohngebieten und die Veränderung der Baustruktur - weg von den klassischen Industriebaugebieten hin zu Wohnbau und Bürobaugebieten - bewirkt einen massiven Zuwachs. Durch diese Veränderung erhöht sich der Bedarf an innerstädtischen Schulen enorm. Dieser Bedarf kann im Wesentlichen nur durch Erweiterungsbauten an bestehenden Schulen abgedeckt werden. Welche Schulen genau betroffen sind, wird aufgrund der Schulbedarfsfeststellung des Wiener Stadtschulrates nach Überprüfung der Machbarkeit sehr kurzfristig festgelegt.

Die Planer der Projekte des Programms PFERD, das kurzfristig erforderliche Schulumbauten- und Schulzubauten abwickelt, werden in Zukunft über offene Architekturwettbewerbe gefunden werden.

Bisher wurden aufgrund des extremen Zeitdrucks zumeist im direkten Weg Totalunternehmer beauftragt. Totalunternehmerverfahren sind aus Sicht der Kammer besonders bei öffentlichen Bauvorhaben problematisch, da die Unabhängigkeit der Planer und Planerinnen (die beim Totalunternehmerverfahren Subunternehmer einer Baufirma sind) nicht gewährleistet ist. "Wenngleich", so DI Werner Schuster MBA (MB-BD, Leiter der Gruppe Hochbau), "die Auftragsvergabe bei Architekturleistungen aus Sicht der Projektentwicklung grundsätzlich nach den vergaberechtlichen Vorgaben und nach den Grundsätzen des qualitätsvollen Planens in Wettbewerben erfolgte. Dazu wurde schon damals ein Wettbewerbsleitfaden definiert, der bei den einzelnen Schulzubauten und Neubauten immer verwendet wurde."

Durch das nun vereinbarte "verkürzte Wettbewerbsverfahren", das einen freien Zugang aller fachlich befugten Planer und Planerinnen sicherstellt, ist garantiert, dass das beste Projekt für die jeweilige Aufgabe bei größtmöglicher Transparenz gefunden werden kann.

Das "verkürzte Wettbewerbsverfahren", das an die Stelle eines Verhandlungsverfahrens tritt, basiert einerseits auf der massiven Standardisierung von Ausschreibungsunterlagen, andererseits auf einer reduzierten Anforderung an die einzureichenden Entwurfsunterlagen. Damit soll neben den zwar notwendigen aber noch nicht in Detailschärfe vorliegenden Themen der Tragwerksplanung, Bauphysik usw. vermehrt die architektonische Qualität betrachtet werden. Weiters werden - eine wesentliche Neuerung - die Wettbewerbsbeiträge nur mehr rein elektronisch übermittelt.

Da es sich um eine neu designte Verfahrensart handelt, wird zurzeit ein Pilotprojekt ausgelobt, und zwar der Neubau der NMS in der Spielmanngasse 3, 1200 Wien. Die bebaubare Fläche beträgt insgesamt ca. 5.000 m², es sollen 16 Klassen errichtet werden. Dem Wettbewerbssieger wird auch die Planung für den kleinen Zubau zur angrenzenden VS übertragen. Die daraus gewonnenen Erfahrungen werden in künftige Verfahren einfließen. Das Verfahren soll nicht den üblichen Wettbewerb bei Neubauten ersetzen. Dazu soll weiterhin das Standardverfahren - ein zweistufiger, offener Realisierungswettbewerb - dienen.

Wie DI Andreas Meinhold von der WIP-Wien Holding betont, ist "aus Sicht der Projektentwicklung nicht zu erwarten, dass die Kosten bei Schulerweiterungsbauten höher sind, wenn junge Architekturbüros beauftragt werden. Der hohe Grad an Standardisierung in den Ausschreibungsunterlagen und die präzisen Definitionen der Funktionsanforderungen werden zu Ergebnissen im vorgegebenen Kostenrahmen führen."

Die Aufgabenstellungen werden typischerweise kleinteilig aber komplex sein. Arch DI Bernhard Sommer, Vizepräsident der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland, betont: "Es freut uns als Berufsvertretung besonders, dass bei diesem neuen Programm der Zugang vorbildhaft niederschwellig ist. Dadurch wird der Nachwuchs, die jungen Planer und Planerinnen, besonders gefördert und ist auch besonders gefordert, durch die Entwicklung neuer und intelligenter Lösungen einen Beitrag zum Schulbauprogramm der Stadt Wien zu leisten."

Am Podium:

  • DI Peter Bauer, Präsident der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland
  • Arch. DI Bernhard Sommer, Vizepräsident der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland
  • Arch. DI Christoph Mayrhofer, Vorsitzender der Sektion Architekten der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland
  • DI Franz Kobermaier, MA 19
  • DI Werner Schuster MBA (MD-BD, Leiter der Gruppe Hochbau)
  • DI Andreas Meinhold (MD-BD)

 

Unten finden Sie eine schematische Darstellung des verkürzten Wettbewerbsverfahrens, das Ablaufdiagramm.

 

Rückfragen: Mag. phil. Dr. techn. Brigitte Groihofer MBA

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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